Nähen,  Slow Fashion

Von verlorenen Fäden und ungetragenen Röcken

Dass ich eines Tages meine eigene Kleidung nähen, geschweige denn darüber schreiben würde – das hätte ich zu Beginn meiner Nähkarriere niemals vermutet. Meine erste Nähmaschine hat mich fast acht Jahre begleitet, wobei sie ehrlicherweise den Großteil ihres Daseins verstaubt in der Ecke zugebracht hat. Warum? Ganz einfach, all diese Fäden und Einstellungen haben mich anfangs ganz schön abgeschreckt und ich hatte tatsächlich nie die Muße, mich wirklich mit der Maschine auseinanderzusetzen. Stattdessen wollte ich so schnell wie möglich tolle Sachen nähen und habe dabei im wahrsten Sinne des Wortes schnell den Faden und die Motivation verloren.

Heute würde ich das Nähen  nicht mehr als komplizierte Wissenschaft bezeichnen und euch stattdessen eine kurzes aber intensives Kennenlernen eurer Maschine empfehlen, denn dieses erspart gerade am Anfang eine Menge Frust. Macht euch deshalb bevor es richtig losgeht mit den wichtigsten Einstellungen und Funktionen vertraut. Was meiner Meinung nach dabei wirklich hilfreich ist: Youtube. Nutzt den Zugang zu kostenlosen Anleitungen – ich bin mir sicher, dass es auch für eure Maschine ausführliche Tutorials gibt, die euch die wichtigsten Schritte zum Einrichten leicht verständlich erklären.

Am anfängertauglichsten sind vor allem Projekte, bei denen ihr nicht dehnbare Stoffe (z.B. Webware aus Baumwolle)  verarbeitet und dabei überwiegend gerade Stiche verwendet. Mein erstes „richtiges“ Projekt war ein Stoffbeutel, der sich wirklich gut als Versuchsobjekt eignet, da der Stoffverbrauch relativ niedrig ist. Wenn ihr zudem noch einen relativ festen Baumwollstoff verwendet, dann verzeiht dieser auch ein paar Fehler und wieder aufgetrennte Nähte. Ebenfalls gut geeignet für Beginner sind Täschchen verschiedenster Art und Größe, die ich auch heute noch sehr gern verschenke und zu denen auch bald eine Anleitung kommen wird.

Nun aber zu dem Punkt, der euch alle wahrscheinlich am meisten interessiert, nämlich Kleidung. An dieser habe ich mich nämlich erst vor ungefähr einem Jahr ernsthaft versucht und mit einem schlichten Rock gestartet. Warum ich meinen fertigen Rock dann doch nicht getragen habe? Das Problem kennen sicherlich einige von euch, es lag am falschen Stoff. Und auch hier würde ich euch den Tipp geben, ein wenig Geduld zu haben. Euch schwebt ein Kleidungsstück vor, doch ihr findet im Stoffladen eures Vertrauens nicht DEN Stoff, der euch richtig gut gefällt und der eure Garderobe sinnvoll ergänzt? Dann kauft am besten keinen, der euch von den vorhandenen gerade so am meisten zusagt, sondern lasst der Sache lieber noch etwas Zeit. Die steckt ihr nämlich sonst in ein Kleidungsstück, bei dem von vornherein klar ist, dass es kein Alleskönner in eurem Kleiderschrank wird. Die sind nämlich zumindest bei mir persönlich aus eher unaufgeregten Stoffen, die gut mit meinen schon vorhandenen Teilen harmonieren. Aus dem ungetragenen Rock werde ich demnächst aber noch etwas zaubern, das tatsächlich einen Sinn für mich erfüllt und werde es euch natürlich hier wissen lassen.

Abgesehen von der Stoffwahl ist meine größte Herausforderung aktuell jedoch eine andere, nämlich die Verarbeitung dehnbarer Stoffe wie Jersey und Sweat. Zwar habe ich mich schon erfolgreich an T-Shirts und Sweatshirts versucht, mit den Ergebnissen bin ich jedoch nicht komplett zufrieden, da sich hier und da vor allem an den Bündchen doch ein paar Nähte kräuseln. Andererseits – macht nicht gerade dieses Unperfekte ein selbstgenähtes Kleidungsstück aus, zumindest ein Stück weit? Ist Perfektion, ist Vollkommenheit wirklich das Ziel dabei?

Was mir bei allen Projekten und Herausforderungen, sei es ein Kleid, ein Mantel oder der störrische Reißverschluss an der vermeintlich einfach zu nähenden Kosmetiktasche, bisher geholfen hat: Geduld und Durchatmen. Naht auftrennen und von vorn beginnen. Der Hashtag #nähenistmeinyoga existiert ganz sicher nicht ohne Grund und hat für mich mittlerweile seine vollste Berechtigung. Weil das Gefühl so richtig im Flow, ganz weit weg und doch bei der Sache zu sein, ein sehr wertvolles ist. Und so findest du vielleicht bei verlorenen Fäden und aufgetrennten Nähten dein Yoga.

Unter dem Hashtag #nähenistmeinyoga veröffentlichen viele Hobby-Schneider(innen) ihre selbstgenähten Kleidungsstücke auf Instagram und ich bin regelmäßig sehr beeindruckt, was für tolle Teile da an den Nähmaschinen entstehen und wie groß, offen und bereichernd die Näh-Community ist.

Wer kann sich mit #nähenistmeinyoga auch so gut identifizieren? Woran wollt ihr euch demnächst einmal versuchen? Und wie steht ihr zu Perfektion beim Nähen? Lasst es mich gern in den Kommentaren wissen, ich freue mich von euch zu lesen.

 

 

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